Sonnenkraft: Mit Solarzwergen Energie ernten

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Mit Mini-Photovoltaik-Anlagen am Balkon und Direktanschluss an der Steckdose können auch Mieter Sonnenkraft ins Haus holen

Solarenergie für jeden, der einen passenden Balkon in Süd-Richtung hat – das wollen Plug-in-Solaranlagen bieten. Man befestigt sie zum Beispiel am Geländer und steckt sie in die eigene Steckdose ein. Aufwändige Dach-Installationen, Pufferspeicher und die Abrechnung von Einspeiseerlösen entfallen. Zwerg-Solaranlagen decken zwar nur einen kleinen Teil der Grundlast ab, die jeder Haushalt etwa durch Kühlschrank und Stand-by-Geräte hat, sie kosten aber auch nicht so viel. Da die Anlagen einfach zu montieren sind, könnten Mieter sie beim Umzug mitnehmen.

Doch Vorsicht: Obwohl Hersteller sie als einfach und sicher bewerben, warnen auch Stimmen vor möglichen Gefahren. Andere wiederum vermuten da den Einfluss von Stromkonzernen, denn es gibt Länder, in denen die Kleinanlagen längst ohne große Auflagen erlaubt sind. Entwickelt hat so etwas zum Beispiel die Oekostrom GmbH in Österreich und mit ihrer Anlage namens „Simon“ im Nachbarland den Klimaschutzpreis 2016 gewonnen. Inzwischen brachte die Umweltorganisation Greenpeace einen deutschen Netzbetreiber dazu, den Anschluss einer Solar-Kleinanlage an der Steckdose zu akzeptieren.

Mittlerweile arbeiteten Behörden an neuen Regelungen dafür, sagt Dr. Hubert Lechner, Geschäftsführer der Allgäuer Kraftwerke (AKW) in Sonthofen. Stefan Nitschke, Pressesprecher von Allgäunetz, betont, die Stromversorger wollten den Anschluss von Kleinanlagen nicht unnötig erschweren: „Wir unterstützen das Voranschreiten der Energie-Zukunft aus Überzeugung – das gilt für Allgäunetz sowie Energieversorger wie AÜW, Allgäuer Kraftwerke und die Allgäustrom-Partner.“ Aber man müsse die Sicherheit im Blick behalten. Laut Nitschke sollen Interessierte es Elektrikern und Installationsbetrieben überlassen, Kleinanlagen zu installieren. Es könnte gefährlich sein, ans Hausnetz eine Stromquelle anzuschließen, ohne diese richtig abzusichern.
Mieter sollten vor so einer Investition auch mit dem Hauseigentümer sprechen. Beim Sozial-Wirtschafts-Werk etwa verweist Geschäftsführer Martin Kaiser darauf, dass es wie bei Satellitenschüsseln um Haftung und Optik gehe. Deshalb müssten Mieter vorher fragen, ob das SWW zustimmt. Wenn möglich, erteile man eine Duldung.

Und was sagt der Landkreis, dessen Politiker gern vom Klimaschutz reden? Laut Klimaschutzmanager Simon Steuer ist eine Kampagne geplant: Unter dem Motto „Jedes Dach ein Kraftwerk“ wolle man zeigen, dass sich Solarenergie weiter lohnt. Es geht um größere Anlagen auf Dächern. Doch viele haben kein eigenes Dach. Da könnten Steckdosen-Solaranlagen eine Option sein, sagt Steuer – wenn sie technisch funktionierten. Wie viel sie wirklich bringen, kann er nicht sagen.

Regeln für Kleinanlagen bis 300 Watt Leistung

Mini-Solaranlagen können auf Balkon oder Terrasse Strom erzeugen. Stefan Nitschke (Allgäunetz) nennt Voraussetzungen, um Anlagen mit bis zu 300 Watt Leistung anzuschließen:
Anmeldung der Anlage bei Bundesnetzagentur und Netzbetreiber.
Anschluss durch einen eingetragener Elektroinstallateur: Er prüft technische Voraussetzungen in der Hausinstallation und passt sie bei Bedarf für einen sicheren Betrieb an. Der Elektroinstallateur sendet dem Netzbetreiber eine Inbetriebsetzungsanzeige samt Prüfprotokoll.
Der Netzbetreiber prüft die Technik des Stromzählers. Mechanische Geräte ohne Rücklaufsperre werden durch elektronische ausgetauscht, damit ein Rückwärtsdrehen ausgeschlossen wird. Hintergrund: Laut Dr. Hubert Lechner (AKW) können mechanische Zähler Fehler machen, wenn sie sich zwischendrin rückwärts drehen und ihre Eich-Gültigkeit verlieren. Je nach Kundenanlage erfolgt der Zähleraustausch kostenfrei oder gegen Rechnung (vorher klären).
Bei Anlagen mit maximal 300 Watt verzichtet Allgäunetz auf die Strommessung in beiden Richtungen, da die vielleicht einmal nicht verbrauchte und ins Netz eingespeiste Strommenge unerheblich ist.

Text: uw

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