Alpine Baukultur: Ifen-Bergstation greift einzigartige Form des Ifen auf

Klaus-Peter Mayr
Foto: Klaus-Peter Mayr

Ein Haus wie ein Berg

Die Hülle haben die Architekten modern-klar gestaltet, das Innere urgemütlich

Der Hohe Ifen im Kleinwalsertal ist ein eigenartiger Berg. Sein Gipfel auf 2230 Metern Höhe ragt nicht steil nach oben wie jene seiner Nachbarn. Die Kräfte der Natur haben eine Felsformation aus dem alpinen Untergrund gepresst, die eher an einen schräg gestellten Tisch erinnert. Wer in dieser formidablen Landschaft, die einst schon Steinzeitmenschen besiedelten, ein Gebäude errichten und sensibel in die Umgebung einbinden möchte, kann sich diesen prägnanten Tafelberg zum Vorbild nehmen. Und genau das haben die Architekten der Ifen-Bergstation, die 200 Meter unterhalb des Gipfels liegt, getan. Seit Beginn der Wintersaison können Skifahrer, Tourengeher und Spaziergänger dieses jüngste Beispiel alpiner Baukultur in Augenschein nehmen – wobei nicht nur die Hülle fasziniert, sondern auch das Innere mit den technischen „Eingeweiden“ der Bergbahn-Endstation und dem darauf gesetzten Restaurant samt Sonnenterrasse.

Jennifer Tautz

Bild: Jennifer Tautz

Die Ifen-Bergstation oberhalb von Riezlern reiht sich damit ein in die Serie von aufregenden Bauwerken in der Allgäuer Allpenwelt. Den Anfang machten schon vor etlichen Jahren die Oberstdorfer Architekten Klaus Noichl und Angelika Blüml mit der Hörnerbahn in Bolsterlang sowie Bauten am Fellhorn/Kanzelwand. In den vergangenen Jahren kamen der Anbau der Fiderepasshütte, das Waltenbergerhaus oder das Gipfelrestaurant auf dem Nebelhorn dazu. Alles Gebäude, die den Geist der Moderne atmen. Vorbei scheinen die Zeiten, in denen mutlos einer vermeintlichen Tradition nachgeeifert wurde. Die Bauherren am Berg haben verstanden, dass sie auf der Höhe der Zeit sein müssen. Und dass ihnen gute Architekten genau dies liefern, also Planer wie Noichl und Blüml, wie Hermann Kaufmann (Nebelhorn) oder Peter Fischer (Waltenbergerhaus).

Wettbewerb

Die Oberstdorf-Kleinwalsertal-Bergbahnen hatten für ihre Ifen-Bergstation einen kleinen Wettbewerb ausgelobt mit drei Büros. Zum Zuge kam Hasenauer-Architekten aus Saalfelden im Bundesland Salzburg, die schon viel einschlägige Erfahrungen vorweisen. Sie entwarfen beispielsweise die neue Bergstation auf der Zugspitze. Modern und zeitgemäß bedeutet aber nicht, unsensibel zu sein und den besonderen Ort zu ignorieren. Die Ifen-Bergstation verdeutlicht dies auf besonders prickelnde Weise. Architekt Ernst Hasenauer griff die besondere Form des Ifens auf. Dessen markante skulpturale Form spiegelt sich in einem Gebäude mit vielen Ecken und Kanten und einem Dach mit entsprechender Neigung und natürlich ohne Sattel. Auch wenn es geschlossen und harmonisch wirkt, so ist Haus doch vielgestaltig. Dafür sorgt nicht zuletzt eine Art Scharte. Eine Fuge aus Glas überbrückt die Spalte zwischen den beiden Baukörpern. Ein architektonisch-künstlerisches Spiel mit dem, was die Laune der Natur vorgibt. Die hat rund um den Ifen Besonderes hervorgebracht: eben den tafelbergartigen Gipfel sowie das darunterliegende Gottesacker-Plateau, einer einzigartigen Karstlandschaft, die unter Naturschutz steht. Architekt Hasenauer wählte Holzschindeln für die Fassade. Kann man machen, auch wenn sich auch anderes Material angeboten hätte inmitten der Felsenlandschaft. Die noch frische-hellbraune Farbe wird im Laufe der Jahre ins Silbrige changieren und dann das felsige Grau des darüber thronenden Massivs aufgreifen.

Klaus-Peter Mayr

Bild: Klaus-Peter Mayr

Der Innenausbau

Holz satt gibt es auch im Inneren der Bergstation. Wer die kalte Einfahrtshalle der Zehner-Kabinenbahn über die (Roll-)Treppe nach oben Richtung Restaurant verlässt, wird bald umfangen von einer Orgie aus Holz. Genauer gesagt Altholz aus Südtirol. Die Architekten, aber auch die Bauherren haben sich viele Gedanken gemacht und bis ins letzte Detail hinein diskutiert, wie sie den Gästen eine besondere Atmosphäre und einen hohen Wohlfühlgrad verschaffen können, verrät Bergbahnen-Chef Dr. Andreas Gapp. Dunkles Holz, gedeckte Farben, spezielles Lichtdesign, schallschluckende Böden und Decken: All das schafft ein warmes heimeliges Ambiente, das locker mit gemütlichen Hütten konkurrieren kann – obwohl hier die Räume größer und höher sind und Panorama-Fenster eingesetzt wurden. Da Glas heutzutage bestens dämmt, können riesige Flächen verbaut werden. Was den Vorteil hat, dass die Natur ins Innere fließen kann – oder umgekehrt die Gäste phänomenale Ausblicke genießen können, wenn sie sich stärken.

Vielerlei Blickbeziehungen gibt es auch im Inneren der verschiedenen Räume – dank klug gesetzter Öffnungen in den Holzwänden, die an die typischen Kleinwalsertaler Fenster erinnern. Eine Fülle von Details ergänzt dies, etwa große Fotos mit modernen Menschen im traditionellen „Walser Häs“. Beim Namen des Restaurants wählten die Bauherren nicht das Übliche wie Ifenblick oder Hahnenköpfle-Stube. Es heißt „Tafel & Zunder“ – ein Bezug zum Berg und den Drachensagen.

Draußen auf der Sonnenterrasse, wo 300 Menschen Platz finden, haben die Architekten ebenfalls das Besonderes gewagt. Auf die schützenden Glaswände druckten sie den Text einer Sage vom Ifen. So können Gäste literarische Geschichte genießen. Von der Terrasse aus lässt sich aber vor allem eines: erleben, welch eigenartig-einzigartiger Berg der Hohe Ifen ist.

Text: Klaus-Peter Mayr

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