Allgäu: Wer darf eigentlich was bauen?

Ralf Lienert
Foto: Ralf Lienert

Diskussion: Landrat Anton Klotz erntet Kritik, weil er das Bauen im Außenbereich erleichtern möchte. Er erklärt, warum er möglich machen will, was sinnvoll ist – und weshalb der Vorwurf, Bauern dürften alles, falsch ist

Bauen im Außenbereich – dieses Thema erregt die Gemüter im Allgäu. Auch der Oberallgäuer Landrat Anton Klotz (CSU) muss sich Kritik anhören, seit er angekündigt hat, das Bauen außerhalb von Dörfern und Städten zu erleichtern. „Es ist eine Diskussion zulasten der Landwirte entstanden nach dem Motto: ‚Die Landwirte dürfen alles, andere dürfen gar nichts’. Das ist aber falsch“, sagt Klotz. Ihm gehe um drei Ziele: Die bäuerliche Struktur im Oberallgäu müsse erhalten werden. Gewerbetreibende müssten Wohnungen für Mitarbeiter schaffen können. Außerdem sei es grundsätzlich notwendig, Wohnraum zu schaffen, ohne zusätzliche Flächen zu verbrauchen.

„Im Oberallgäu leben 30 Prozent der Menschen im Außenbereich, viele davon in Weilern“, sagt Klotz. Das Baurecht werde auch bei Bauern streng ausgelegt, um eine Zersiedelung zu vermeiden. „Wir müssen aber unbedingt die landwirtschaftlichen Strukturen erhalten, damit das Oberallgäu so bleibt, wie es sich heute darstellt. Die Schönheit der Kulturlandschaft, die auch die Touristen bei uns schätzen, haben wir der Arbeit der bäuerlichen Familien zu verdanken“, sagt der Landrat. Vor 50 Jahren habe es noch mehr offene Flächen im Oberallgäu gegeben, heute sei einiges verwaldet. „Diese Entwicklung halten wir nur auf, wenn die Bauern ihre Flächen weiter bewirtschaften“, argumentiert Klotz. Die Familien der Landwirte hätten in der Regel mehr Kinder als Stadtbewohner. Diesen müsse es ermöglicht werden, „an ihrem Geburtsort zu leben“. Das gelte auch für Kinder, die nicht die Haupterben sind, denn diese „arbeiten häufig auf dem Hof mit und stärken den Betrieb“. Er genehmige deshalb auch in Einzelfällen ein drittes Wohngebäude auf dem Hof, obwohl das grundsätzlich nicht zugelassen sei. „Häufig wird dann ein alter Stadel überbaut, sodass keine zusätzlichen Flächen verbraucht werden. Entscheidend ist immer, dass der neue Wohnraum in einen Häuserverbund passt.“

Gilt das auch, wenn Höfe nicht weitergeführt werden? „Ja“, antwortet Klotz, „gerade die Bauernfamilien sind gesellschaftlich stark engagiert, zum Beispiel in Vereinen. Wenn wir verhindern wollen, dass ein Weiler stirbt, muss es möglich sein, ein nicht mehr benötigtes Wirtschaftsgebäude abzureißen und in gleicher Kubatur Wohnraum zu schaffen“. Im Oberallgäu gelte das für etwa 20 Höfe im Jahr, die Flächen würden dann von Nachbarn weiter bewirtschaftet.

Was ist mit dem Bau von Ferienwohnungen, der einerseits gewünscht, andererseits kritisiert wird? „Diese Urlaubsangebote erleben einen Boom“, sagt Klotz. Er wolle es „guten Betrieben ermöglichen, im Umgriff ihres Hofes kleine Ferienhäuschen zu errichten, keine Chalets. Auch das hilft, familiäre Strukturen zu sichern.“

Viele Unternehmen im Oberallgäu seien auf der Suche nach Fachkräften. Bewerber stellten oft die Frage nach Wohnraum, berichtet Klotz. Er fordert, Mitarbeiterwohnungen in Gewerbegebieten oder an Hotels zu ermöglichen, wenn keine zusätzlichen Flächen verbraucht werden. Dazu gehöre es auch, im Einzelfall anstelle eines verlassenen Bauernhauses im gleichen Umfang ein Gebäude für Wohnungen errichten zu können – das helfe gegen die Wohnungsknappheit, ohne neue Flächen zu verbrauchen.

Was erlaubt ist

Laut bayerischem Baugesetzbuch ist das Bauen im Außenbereich nur für land- und forstwirtschaftliche sowie Gartenbaubetriebe und für die öffentliche Versorgung (zum Beispiel Energie) möglich. „Sonstige Vorhaben“ dürfen „im Einzelfall“ zugelassen werden. Landrat Anton Klotz nennt dazu zwei Bedingungen: „Jeder Einzelfall muss genau geprüft werden, das entscheidet man nicht am Schreibtisch. Und die jeweilige Gemeinde muss das immer befürworten.“
Eine gemeinsame Bekanntmachung von Innen-, Bau- und Landwirtschaftsministerium bestätigt die Position von Klotz. Darin heißt es beispielsweise, dass auch Betriebsteile, die nicht originär Landwirtschaft sind, im Außenbereich gebaut werden dürfen. Das gilt unter anderem für Ferienwohnungen. Voraussetzung ist, dass deren Zuordnung zum bäuerlichen Betrieb „dauerhaft gesichert ist“.
Die Ministerien wollen damit dem Wandel in der Landwirtschaft Rechnung tragen. Bäuerliche Strukturen sowie der Erhalt von Kulturlandschaft und Arbeitsplätzen sollen so gesichert werden. (hai)

Text: Uli Hagemeier

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